Ein Telearbeitsplatz wird von vielen Beschäftigen und Jobsuchenden als attraktive Option der Arbeitsorganisation betrachtet. Eltern mit Kindern, Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen oder Alleinerziehende profitieren von der Telearbeit.

Doch auch Mitarbeiter, die sich lange und zeitraubende Anfahrten sparen möchten, sehen in ihr eine Chance, die zur Verfügung stehende Zeit besser und effektiver zu nutzen. Aber nur um die 10% der Arbeitnehmer bekommen aktuell die Chance, schwerpunktmäßig in einem professionellen heimischen Setting tätig zu werden. Das Interesse selbst ist deutlich größer.

Allerdings kann die Telearbeit nicht beliebig gestaltet werden, sie muss grundlegende Standards erfüllen: Mit § 2 Abs. 7 ArbStättV vom 2. Dezember 2016 wurde der Begriff des Telearbeitsplatzes nicht nur neu aufgegriffen, sonder auch inhaltlich und qualitativ konkretisiert. Dazu kommen persönliche Anforderungen an die Selbstdisziplin, wenn der Arbeitsinhalt zu Hause geleistet wird.

Im Alltag wird der Begriff der Telearbeit nicht selten synonym mit dem Wort Home Office verwendet. Doch es existieren neben Gemeinsamkeiten auch Unterschiede, die im Folgenden herausgearbeitet werden. Des weiteren werden den offenkundigen Chancen mögliche Risiken gegenübergestellt.

Grundsätzliche Anforderungen an den Telearbeitsplatz

Telearbeitsplätze sind vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze, welche sich im Privatbereich der Beschäftigten befinden. Im Rahmen dieses Settings leistet der Angestellte eine zuvor vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit. Zudem wird die Dauer der Nutzung des Heimarbeitsplatzes festgelegt.

Eine heimische Arbeitsstätte gilt erst dann als fertig eingerichtet, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Bedingungen der Telearbeit in einem Arbeitsvertrag oder in einer Vereinbarung fixiert haben. Zudem muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass mit Arbeitsbeginn die benötigte Ausstattung des Telearbeitsplatzes vollwertig installiert ist.

Die Ausstattung selbst muss einen ebenso funktionalen wie professionellen Charakter aufweisen. Sie bietet nicht so viel gestalterischen Freiraum wie etwa ein individueller oder gar improvisierter Arbeitsplatz. Zum Setting zählen:

➟ Passendes Equipment und Mobiliar wie etwa Bildschirm, Arbeitsfläche, Bedienelemente oder ein geeigneter Sitz

➟ Benötigte Arbeitsmittel: PC, Notebook, Handy, entsprechende Software, Telefonieren über Internet, Smartphone oder Tablet-PCs

➟ Erweiterte Kommunikationseinrichtungen: Der Telearbeitsplatz ist im Normalfall mit dem Rechner bzw. Server der Betriebsstätte verbunden. Informationen, Daten, Dokumente sowie Terminabsprachen erfolgen via E-Mail, Messenger, Skype oder eine VPN-Leitung

Ebenso ist der Arbeits- und Gesundheitsschutz zu bedenken: Hier gelten ähnliche Bedingungen wie für die Kollegen im Betrieb. Der Arbeitgeber trägt die Verantwortung; er muss sicherstellen, dass die Räume professionell und ergonomisch ausgestattet sind. Nur dann ist eine hochwertige Leistung möglich und die Unfallgefahr reduziert sich.

Aufgrund dieser Anforderungen wird der Telearbeiter zu Beginn unterwiesen bzw. angeleitet.

Wann spricht man genau von Telearbeit?

Zusammengefasst ist nur dann von einem Telearbeitsplatz zu sprechen, wenn …

  1. … der Betrieb den Büroarbeitsplatz komplett oder schwerpunktmäßig in das Haus oder die Wohnung eines Mitarbeiters verlagert
  2. … dieser Mitarbeiter über Telekommunikationsmittel eng angebunden ist
  3. … das Unternehmen den Bildschirmarbeitsplatz professionell einrichtet bzw. installiert
  4. … eine verbindliche Vereinbarung diese Form der Arbeit regelt
Wird die Arbeit komplett am Telearbeitsplatz geleistet, dann wird dies im wissenschaftlichen Diskurs als isolierte Telearbeit oder Teleheimarbeit bezeichnet

Diese Differenzierung trägt der Tatsache Rechnung, dass die meisten Telearbeiter normalerweise mindestens ein Mal in der Woche an Teamsitzungen und Feedbackgesprächen in ihren Firmen partizipieren und sich daher nicht ausschließlich zu Hause am Arbeitsplatz aufhalten.

Sonderformen

Abseits davon existieren verschiedene Ausprägungen, welche unglücklicherweise ebenfalls als Telearbeit bezeichnet werden, aber eben keine Telearbeit im Sinne der ArbStättV darstellen.

So findet die mobile Telearbeit an wechselnden Einsatzorten statt (Beispiel: Außendienstmitarbeiter). Sogenannte On-site-Telearbeit wird direkt im Betrieb des Kunden geleistet. Abschließend ist an ein wohnortnahes Büro außerhalb des Firmensitzes zu denken. Diese Situation wird als Telearbeit im Satellitenbüro beschrieben.

Unterschiede zu Home Office und Heimarbeit

Bildschirmarbeit im Home Office und Heimarbeit sind inhaltlich von einem Telearbeitsplatz abzugrenzen. Besonders die Trennung zum Home-Office-Konzept gelingt, wie in der Einleitung angedeutet, nicht immer, da durchaus Gemeinsamkeiten zu finden sind.

Home Office:
Denn der englische Begriff beschreibt einen Arbeitsplatz oder einen beruflich genutzten Ort im privaten Umfeld. Und diese Beschreibung deckt sich grundsätzlich mit den „Basics“ der Telearbeit. Zur Unterscheidung hilft ein Blick auf die Arbeitsabläufe und auf den formalen Rahmen.

Ein Home-Office-Nutzer ist häufiger in der Firma oder nimmt diverse externe Kundentermine wahr (z.B. im Berufsfeld Webdesigner), sein räumlicher Schwerpunkt fällt flexibler aus.

Zudem ist die Einrichtung und Gestaltung des Home Office weniger präzise geregelt, obgleich es natürlich immer im Sinne der Menschen ist, in einem qualitativ guten Umfeld tätig zu sein. Viele Selbstständige gestalten ihr Home Office derart mühe- und liebevoll, dass es dem qualitativen Anspruch hochwertiger Telearbeitsplätze mehr als genügt.

Im Vergleich zum populären und weit verbreiteten Begriff des Home Office sind mit dem Telearbeitsplatz vor allem höhere und strengere offizielle Anforderungen verbunden

Bei der Teleheimarbeit wird vom Gesetzgeber zudem im Rahmen des Gesundheitsschutzes explizit auf die ergonomische Gestaltung des Bildschirmarbeitsplatzes Wert gelegt. Bereits genannte vertragliche Regelungen (Arbeitszeit, Dauer der Nutzung, Ausgestaltung und Einweisung) treten hinzu.

Heimarbeit:
Der fast etwas altertümlich anmutende Begriff der Heimarbeit beschreibt eine Erwerbstätigkeit, die meist zu Hause erledigt wird und vor allem einfach gelagerte Tätigkeiten umfasst. Oft werden die Herstellung von Etuis oder das Zusammenbauen von Kugelschreibern als typische Tätigkeitsfelder genannt.

Der Begriff stammt noch aus dem Zeitalter vor dem Internet. Er konnte somit die vielfältigen Webtätigkeiten und die neuen technischen Möglichkeiten der Gegenwart nicht abbilden.

Vorteile und Nachteile

Die pauschale Beurteilung der Telearbeit als gut oder schlecht greift zu kurz. Es stellt sich immer die Frage, ob sie zum Arbeitsinhalt, zum jeweiligen Menschen und zur Firmenstruktur passt. Zudem spielt der Installationsaufwand immer eine (finanzielle) Rolle.

Auch wenn die Option der Telearbeit zunächst attraktiv klingt, nicht jeder Arbeitnehmer kann sich auf eine solche Situation einlassen oder fühlt sich in ihr wohl. Andere wiederum sehen vor allem den deutlichen Zugewinn an Freiheit und Lebensqualität.

Stärken

  1. Als großer Vorteil entpuppt sich der Gewinn an Zeit durch den Wegfall längerer Anfahrten. Parallel sinkt die Verkehrsbelastung durch Pendlerströme. Dies trägt zu einer gesteigerten Motivation bei. Als direkte Folge nimmt die Leistung am heimischen Arbeitsplatz oftmals zu. Die Produktivität der Mitarbeiter steigt deshalb an, weil sie konzentrierter und fokussierter an einer Aufgabe sitzen
  2. Besonders Beschäftigte mit Familien sowie mit Pflegeaufgaben gelingt die Vereinbarkeitsleistung von sozialer Verantwortung und Beruf im Rahmen der Telearbeit besser
  3. Als starkes Motiv aus der Sicht der Telearbeiter gilt die Hoffnung auf individuelle Entfaltung und eine verbesserte Lebensqualität
  4. Es kommt schlichtweg zu weniger Arbeitsausfällen. Etwa dann, wenn die Beschäftigten tageweise zu Hause sein müssen, weil z.B. das Kind kränkelt. Reparaturtermine, Kabelinstallationen oder das Ablesen von Strom- & Wasserzähler lassen sich ebenfalls besser in den Arbeitstag integrieren
  5. Für unzufriedene und gestresste Mitarbeiter, die aus Frust drohen, den Betrieb zu verlassen, kann die Arbeit zu Hause einen positiven Neustart bedeuten
  6. Pluspunkt Kostensenkung: Mittels Reduktion der nötigen Bürofläche sinken die Miet-, Heiz- und Wartungskosten. Telearbeit markiert eine kosteneffiziente Chance der Mitarbeiteranbindung
  7. Positive Einstellung zur Firma: Die neue Freiheit wird von vielen Menschen als Entgegenkommen der Firma gewertet, sodass diese als „guter Betrieb“ wahrgenommen wird und eine Imagesteigerung erfährt
  8. Die Sicht des Nutzens eines Telearbeitsplatzes unterlag durchaus einem Wandel: Politisch wurden besonders Anfangs die Integrationsmöglichkeiten von benachteiligten Beschäftigungsgruppen sowie die Entwicklung strukturschwacher Regionen betont. Doch spätestens seit den späten 90er Jahren dominieren die bereits genannten Vorteile der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der Produktivitätssteigerung durch effizientere Arbeitsbedingungen daheim

Risiken

➦ Der technische und administrative Aufwand sollte nicht unterschätzt werden: Die benötigte Infrastruktur muss die jeweilige Arbeitsform reibungslos ermöglichen, neue Vorgaben zum Datenschutz erschweren mitunter den ehemals zügigen Austausch.

➦ Da die Telearbeiter seltener vor Ort sind, vergrößert sich der Koordinationsaufwand sowie die Gefahr, ungewollt aneinender vorbei zu kommunizieren. Denn die einfache Nachfrage im Gespräch mit verbalen und (!) non-verbalen Anteilen entfällt bei Nichtanwesenheit.

➦ Wenig strukturierte Menschen verlieren sich bisweilen und vergessen darüber die nötigen Pausen. Ihnen fehlt der Rhythmus ihrer Kollegen, sodass der Arbeitstag aus den Fugen geraten kann. Hohe Anforderung an die Selbstdisziplin korrelieren mit einem Telearbeitsplatz.

➦ Gleichzeitig nimmt das Risiko zu, dass der interne Zusammenhalt bröckelt, wenn sehr viele Mitarbeiter von zu Hause aus tätig sind. Einige im Betrieb abwesende Personen kennen sich vielleicht gar nicht mehr und der informelle Austausch reduziert sich ebenfalls. Teambuilding-Maßnahmen können dem entgegen wirken.

➦ Nicht jeder Mensch ist für die Telearbeit geeignet: Manchen Individuen fehlen die losen Gespräche in der Pause und die Gegenwart von Kollegen. Weniger Kommunikation kann zu einem Gefühl der Isolation beitragen. Zudem gilt es, sich privat gut abzugrenzen. Nicht selten ist es anfangs problematisch, den heimischen Arbeitsplatz vor ungewollten Störungen („… wo Du grad hier bist, könntest Du …“) zu schützen.

➦ Soziale Faktoren in der Firma sollten nicht unterschätzt werden: Es kann zu Neid und Missgunst führen, wenn ein Kollege von zu Hause tätig ist, anderen Mitarbeitern diese Möglichkeit aber versagt bleibt.

Persönlichkeit und Inhalte müssen zum Telearbeitsplatz „passen“

Fazit: Ein professioneller Telearbeitsplatz ermöglicht es, viele Aufgaben aus einem vom Arbeitgeber eingerichteten Büro in den heimischen vier Wänden zu erledigen. Die Installation fordert einen gewissen organisatorischen und finanziellen Aufwand ein, wenn sie rechtskonform abläuft. Der Lohn ist eine konzentrierte und effiziente Form der Arbeitsgestaltung, die sich in positiver Weise qualitativ niederschlagen kann. Konzentration, Zufriedenheit und Motivation profitieren meist spürbar. Dem stehen kritische Themen wie Distanz zum Betrieb, Missverständnisse und nötige Lernprozesse in der eigenverantwortlichen Gestaltung des Arbeitstages (Arbeitsrhythmus, Pausen) gegenüber. Es ist auch immer die Frage, ob der jeweilige Mensch der richtige „Typ“ für die Telearbeit ist.