Das Thema Ergonomie oder die Frage, was Ergonomie überhaupt ist, tritt regelmäßig in den medialen Vordergrund. Dennoch herrscht im Zusammenhang mit dem Begriff Ergonomie oft Verwirrung bis hin zu einer fast babylonischen Bedeutungsvielfalt vor.

In diesem Artikel finden Sie Erklärungen bzw. die Darstellung grundlegenden Dimensionen wichtiger Inhalte aus dem Bereich der Ergonomie, sie helfen dabei, den Begriff zu präzisieren und zu verstehen.

Die Definitionen können auf den historischen, semantischen oder praktischen Charakter des Wortes hinweisen. Relevant wird das Thema dann, wenn der Mensch aufgrund seiner Arbeit oder anderweitiger Tätigkeiten mit Maschinen, Werkzeugen oder weiteren Gegenständen in Berührung kommt.

Neben der bekannten EDV-Arbeit am PC ist an das Führen von Fahrzeugen, die Bedienungen von Maschinen in Fertigungsprozessen, das Nutzen von Telefonen und Software sowie an den allgemeinen Gebrauch von Computern zu denken.

Definitionen des Ergonomiebegriffs aus mehreren Blickwinkeln

Bekannt und oft genutzt ist eine vergleichsweise nüchterne Definition: Ergonomie ist die Wissenschaft von der menschlichen Arbeit.

Doch aus dem Begriff lässt sich inhaltlich noch mehr herauslesen: Die sprachliche Herleitung verrät, dass der Begriff der Ergonomie die griechischen Wörter ergon (Arbeit, Werk) sowie nomos (Gesetz, Regel) enthält.

Die International Ergonomics Association definiert daher die Ergonomie als

Lehre von der menschlichen Arbeit und die Erkenntnis ihrer Gesetzmäßigkeiten

Grundsätzlich ist in fast allen Festlegungen der humane Aspekt immanent: Der ergonomische Blick stellt die gesundheitlichen und natürlichen Bedürfnisse des Menschen in den Mittelpunkt. Er verlangt, dass ein ergonomisches Setting sich am Menschen orientiert und sich individuell anpassen lässt.

Ziel der Ergonomie ist es, Arbeitsplätze, Arbeitsmittel, Arbeitssysteme und die Arbeitsumgebung an die physischen und psychologischen Ansprüche und Bedürfnisse des Menschen zu adaptieren. Eine Optimierung der Arbeitsplatzgestaltung korreliert immer mit der Reduktion von körperlichen Beschwerden und psychischen Belastungen.

Was ist Ergonomie in praktischer Hinsicht?

Als Teildisziplin der Arbeitswissenschaft befasst sich die Ergonomie am Arbeitsplatz mit der optimalen Anpassung der technischen Geräte und der Arbeitsumgebung an die arbeitenden Menschen. Der Arbeitsplatz bildet in dieser Perspektive einen ersten Schwerpunkt.

Die effiziente und fehlerfreie Arbeitsausführung zu gewährleisten und die ausführenden Menschen vor gesundheitlichen Schäden zu schützen, das ist das Kerninteresse des ergonomischen Ansatzes.

Fällt der Blick hingegen auf ergonomische Produkte, dann treten Schlagwörter wie „handhabbar“, „nutzerorientiert“, „komfortabel und „gebrauchstauglich“ in den Vordergrund.

Ergonomie hat den Menschen im Blick

Es geht im Rahmen ergonomischen Denkens wie oben angedeutet mehrheitlich um die Anpassung der Arbeitsbedingungen bzw. der Arbeitsgeräte an den Menschen und nicht umgekehrt.

Zwischenfazit: Die Frage Ergonomie – was ist das eigentlich? betont bewusst den Menschen und seine gesundheitlichen Bedürfnisse vor Ort im Job.

Die Bedingungen sind so zu gestalten, dass bei der täglichen Arbeit eine möglichst geringe gesundheitliche Belastung entsteht. Konsequenz: Die Ausrüstung in einem Büro sollte folglich auf den Menschen zugeschnitten sein. Seine Physiologie definiert die Anforderungen.

Dieser Ansatz ist besonders relevant, wenn ähnliche Tätigkeiten über einen längeren Zeitraum vollzogen werden. Um so nötiger der menschengerechte Charakter des Arbeitsplatzes, um Verspannungen, Kopfschmerzen, Haltungsschäden und damit unnötige Fehltage zu reduzieren und zu vermeiden.

Inhaltliche Schwerpunkte – das Inventar, die Arbeitsplatzgestaltung, das Umfeld

Im Heimarbeits- und Bürobereich oder bei generell überwiegend sitzender Tätigkeit vor dem Bildschirm ist die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes ein mittlerweile dominierendes Thema.

Die Frage „was ist Ergonomie?“ wird hierbei verstärkt im präventiven Sinne gestellt. Sie soll nachhaltiges Arbeiten ermöglichen und den Menschen vor arbeitsbedingten Erkrankungen schützen.

Konkret bedeutet das die Anpassung der Stühle, Tische, Tastaturen, Mäuse und Bildschirme an den Menschen nach definierten ergonomischen Normen. (Übersicht für Interessierte: Google Ergebnisse „ergonomische Normen“)

Korrektive versus Prospektive Ergonomie

Das genannte vorbeugende Interesse wird unter dem Schlagwort „Prospektive Ergonomie“ diskutiert. Inhaltlich geht es darum, ergonomischen Anforderungen bereits in der Planung Rechnung zu tragen.

Gestaltungs- und Kundenwünsche sind in diesem Sinne vom Start weg Teil des Entwicklungsprozesses und werden nicht nachträglich ergänzt.

Aufwändiger, teurer und im Endergebnis weniger erfolgreich ist die sogenannte „Korrektive Ergonomie“ einzuordnen. Sie erfolgt als Reaktion auf manifeste Probleme (Ineffizienz, hoher Krankenstand, viele Arbeitsunfälle) und dient somit der Reparatur einer defizitären Lage.

So gesehen spart ein Betrieb Geld, wenn bereits beim Bau der Fertigungsanlagen Gesundheit der Mitarbeiter und Bedienungsfreundlichkeit eine Rolle spielen. Denn die Mehrkosten bei der Ersteinrichtung fallen niedriger als das bisweilen umständlich Umrüsten untauglicher Arbeitsplätze.

Teilbereiche der Ergonomie

Folgende Bereiche spielen im Kontext der ergonomischen Arbeitsplatzforschung zudem eine wichtige Rolle. Sie markieren klar erkennbare Disziplinen mit definiertem Inhalten und Forschungslagen.

Physikalische Ergonomie

Den Auftakt macht das klassische Themenfeld der Ergonomie: Physikalische Ergonomie widmet sich der Gestaltung von Arbeitsplätzen in der Industrie oder im Büro.

Zum Einen geht es dabei um die Arbeitsablaufoptimierung und die damit korrelierende Verbesserung der Effizienz. Zudem wird angestrebt, Haltungs- und Bewegungsschäden bei der jeweiligen Tätigkeit zu verringern oder auszuschließen.

Die Erkenntnisse münden im Praxisfeld Produktionsergonomie, in welchem menschengerechte Arbeitsplätze in Produktions- und Dienstleitungsbetrieben erarbeitet werden. Neben der Reduktion von Belastungen bewirken humane Arbeitsbedingungen zudem eine Optimierung der Leistungsabgabe.

Als Beispiel kann die bekannte Mensch-Maschine-Interaktion in der Autoindustrie angeführt werden.

Kognitive Ergonomie

Der Begriff der kognitiven Ergonomie beinhaltet die Analyse von Arbeitsbedingungen. Konkret werden Arbeitssysteme im Hinblick auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter betrachtet.

Diesbezüglich stehen besonders kognitive Prozesse Im Vordergrund. Selbige erlangen vor allem in komplexen und dynamischen Situationen ein wichtige Bedeutung.

Themen:

  • Wahrnehmung
  • Gedächtnis
  • Aufmerksamkeit
  • Schlussfolgern (Deduktion und Induktion)

Visuelle Ergonomie

In diesem Teilsegment der kognitiven Ergonomie (siehe oben) rücken die Anforderungen an das Sehvermögen bei der Computerarbeit in der Arbeitswelt sowie im privaten Bereich ins Blickfeld. Das ist kein Zufall, denn der klassische Bildschirm­arbeitsplatz erfuhr durch verschiedene neue Formen der Arbeit – etwa mit 3-D Monitoren, Notebooks oder Tablet-PCs – eine deutliche Ausweitung.

Die visuelle Ergonomie widmet sich in Zeiten des demografischen Wandels neben der Gestaltung von Software auch der Situation von alterssichtig Beschäftigten. Eine Zielgruppe, in der diverse Sehproblematiken auftauchen und in welcher zudem häufiger Muskel-Skelett-Be­schwerden zu finden sind.

Praktisch werden zum Beispiel Gleitsichtbrillen unter Laborbedingungen erforscht und getestet. Zum Thema der Auswahl der richtigen Brille bei Computerarbeit laufen Labor- und Feldstudien.

Hilfreiche Lösungen für die Öffentlichkeit bieten ein Internet-Beratungstool und die Broschüre Gutes Sehen im Büro, welche unter Beteiligung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erstellt worden ist.

Optimierte Informationsaufnahme zeigt sich als relevanter Teilaspekt ergonomischer Ansätze, welche sich mit kognitive Prozesse wie Wahrnehmung und Denkvorgängen beschäftigen.

Organisatorische Ergonomie

Organisatorischen Ergonomie als Themenkomplex zielt darauf, die interpersonelle Kommunikation zu verbessern. Dabei widmet sie sich konkreten Gegebenheiten wie etwa der Sitzordnung in Klassenräumen oder Konferenzräumen. Die Anordnung des Inventars soll den Austausch verbessern und positiv anstoßen.

Biomechanische Ergonomie

Berufliche Tätigkeiten münden vergleichsweise oft in Erkrankungen und Beschwerden im Muskel-Skelett-System. Besonders gilt dies für Büroarbeit sowie für verwandte bewegungsreduzierte Arbeitsfelder.

Zu nennen sind ebenfalls körperlich extrem anstrengende Anforderungen, wie sie etwa bei Lastenhandhabungen oder dem manuelle Bewegen von Patienten in der Pflege vorkommen. Neben den negativen Wirkungen auf individueller Ebene ziehen die hohen Fehlzeiten nicht selten betriebliche Probleme nach sich.

Biomechanische Ergonomie strebt an, eine arbeitsphysiologisch angemessene Gestaltung der Arbeit zu ermöglichen. Prävention und die Verringerung der gesundheitlichen Risiken sind vorrangige Ziele.

Die Erkenntnisse der grundlagenorientierten Forschung weisen eine enorme sozialpolitische Bedeutung auf, sie werden regelmäßig für die Politikberatung nachgefragt. Das Thema ist somit in der gesellschaftlichen Realität „angekommen“.

Systemergonomie

Etwas abstrakter und theoretisch anspruchsvoll gestaltet sich die Systemergonomie. Sie basiert auf der Systemtheorie und dient zum Beispiel dazu, die Gesamtausfallwahrscheinlichkeit eines Systems zu berechnen.

Dabei greift sie auf Erkenntnisse der Probabilistik zurück. Konkret wird etwa die bestmögliche Funktionsaufteilung zwischen Mensch und Maschine sowie der Automatisierungsgrad erforscht und berechnet.

Verhaltensergonomie

Wie sich Menschen im Job am besten und gesundheitsfördernd verhalten können, das thematisiert und erforscht die Verhaltensergonomie. Ein breites Spektrum vom perfekten Handgriff in der Fertigung über die bestmögliche Körperhaltung im Büro bis hin zur allgemeinen Einhaltung Erholungsphasen fällt in diesen Bereich.

Dabei ist Raum für den subjektiven Blick. Das Erkenntnisinteresse liegt auf dem Menschen als Individuum mit speziellen Eigenheiten und Bedürfnissen.

Frischluft, Licht, Pausen, Lärmreduktion, bewusste Arbeitshaltungen, Aufbrechen monotoner Positionen, Entspannungsübungen bis hin zur Optimierung der Aufteilung des Arbeitstisches sind Teil einer gesundheitsbewussten Arbeitsgestaltung.

Das Inventar stellt die Basics, das reale Arbeitsverhalten des Büro- oder Heimarbeiters ist eine weitere Komponente. Angestellter und Selbstständige sind aufgefordert, eine Art ergonomische Arbeitshygiene zu erlernen und umzusetzen – auch im eigenen Interesse.

Die Bedeutung des ergonomischen Kontextes

Das Umfeld, bzw. die Situation der konkreten Tätigkeit umfasst weitere Dimensionen, die sich täglich auswirken. Mal offensichtlich, dann wieder latent oder subtil. Zu nennen sind weitere Parameter der Arbeitsplatzgestaltung:


Klimatische Aspekte:

Ausführungssituation

  • Arbeitshaltung
  • Greifraum
  • Körperliche Belastung durch die Arbeitsaufgabe

Inhalt und Organisation

  • Gestaltung der Arbeitszeit
  • Pausenregelung
  • Anspruch bzw. Schwierigkeit der Aufgabe
  • Eignung für die Aufgabe
  • Mitwirkungsmöglichkeiten/Partizipation

Folgen einer komplexen Ergonomiedefinition

Verbesserte Arbeitsbedingungen und Abläufe sowie optimale Arbeitsgeräte wirken sich so gut wie immer positiv auf die Mitarbeiter und Heimarbeiter aus. Je mehr Teilaspekte beachtet und in Hinblick auf den Menschen optimiert werden, desto besser.

Motiviertes und leistungsfähiges Verhalten sind die Folge. Ob Schreibtisch, Fließband oder Stehpult: Wohlfühlen, Gesundheit und Leistung gehen im motivierten Zusammenspiel Hand in Hand.

Es ist einfach: Wer vital und gesund ist und sich wohl fühlt, der arbeitet besser. Ergonomisches Denken schützt nicht nur die Gesundheit und verbessert die Geräte, sie kann gleichzeitig eine Leistungssteigerung bewirken.

Von der Arbeitswelt ins Kinderzimmer

Aktuell zeichnet sich ab, dass die Begrenzung und Definition der Ergonomie-Frage auf die Erwachsenenwelt entfällt. Auch Kinder rücken in den Vordergrund. Sie können früh lernen, auf optimale Bedingungen zu achten, ein Gespür für ihre Gesundheit zu entwickeln.

Eine moderne ergonomische Perspektive ist bereits früh Teil einer selbstbewussten Entwicklung und somit ein relevanter pädagogischer Aspekt.

Durch ihr Wachstum benötigen Kinder und Jugendliche besonders viele Anpassungen, etwa der Schreibtischhöhe, damit sie beispielsweise nicht in gekrümmter Form ihre Hausaufgaben erledigen müssen.

Effizienz und menschliche Ansprüche als Partner definieren

Es ist kein Widerspruch, dass die humane Perspektive im Ergonomie-Ansatz nicht mit Effizienzgedanken von Unternehmen kollidiert. Wer am Inventar spart, erhöht das Risiko, sich oder seine Angestellten zu verschleißen. Das ist nur kurzfristig „billig“.

Eine ergonomisch optimierte Arbeitsumgebung erfordert bei der Einrichtung erst gewissen (finanziellen) Aufwand, doch langfristig kompensiert die Qualität und Nachhaltigkeit der in einer ergonomischen Umgebung geleisteten Arbeit diesen Aufwand.

Gepaart mit professionell gesundheitsbewussten Verhalten, werden Aufgaben schneller, hochwertiger und innovativer gelöst. Freude und Leistung spielen im Idealfall zusammen. Ergonomie kann zu einem Marktvorteil führen.

Ergonomie – was ist das eigentlich – ein Kurzfazit

Ergonomie was ist das? – das war die Ausgangsfrage nach einer Definition. Neben den oben beschriebenen Inhalten fordern Aussagen wie „ein professioneller Standard“ viele Betriebe heraus, den diese Antwort impliziert, dass Respekt vor menschlichen Bedürfnissen bei der Arbeit kein Luxusgut ist. Die Betonung der menschlichen Natur definiert die humane Perspektive der Ergonomie und stellt ihre besondere Rolle in der technischen und bisweilen sehr nüchternen Arbeitswelt heraus. Präventiver Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Humanität markieren Inhalte, die zusammenspielen und sich eben nicht ausschließen.