Rückenschmerzen gelten als einer der häufigsten Volkskrankheiten überhaupt, sie sind extrem weit verbreitet. Es sind die sitzenden Tätigkeiten, die fast immer als Ursache für Rückenbeschwerden aufgeführt werden, sowie die körperlich anstrengenden Arbeiten. Beides ist aber zu einseitig und kurz gedacht, wenn diese als Ursachen monokausal konzipiert werden.

Wer richtig sitzt und sich dabei auch noch hin und wieder bewegt, wird deutlich weniger Probleme mit dem Rücken bekommen. Und wer sich stark körperlich betätigt, die Bewegungen aber sinnvoll ausführt, leidet auch eher selten unter Rückenbeschwerden.

Es sind tendenziell die falschen Haltungen, die zu Verspannungen und Schmerzen führen. Im Büro hat man nun selten eine Wahl: Vor dem Computer und bei der Durchsicht von Akten ist das Aufführen von Stepptänzen der das Abarbeiten eines Trainingsprogramms eher ungünstig. Es kommt also erst einmal darauf an, dass das Sitzmobiliar die richtige Größe hat und sich auf die individuellen Maße des Nutzers abstimmen lässt.

Informationen zur Prävention und Intervention bei Rückenschmerzen mit beruflichem Hintergrund.

Rückenleiden ist Volkskrankheit Nummer 1

Rückenschmerzen sind in Deutschland Volkskrankheit Nr. 1. Ungefähr 70 Millionen Fehltage sind jährlich auf Rückenbeschwerden zurückzuführen. Ein Problem für Firmen bzw. Selbstständige und natürlich für die betroffenen Menschen, die das Leiden aushalten müssen.

Der volkswirtschaftliche Schaden liegt bei fast Milliarden Euro und ist als immens zu beschreiben. In Hinblick auf die Anzahl der Arztbesuche stellen Rückenbeschwerden den zweithäufigsten Anlass dar. Dazu tragen Bürojobs sicher bei, in ihnen wird die geforderte Arbeit überwiegend im bewegungslosen Sitzen verbracht.

Entgegen der allgemeinen Meinung sind auch jüngere Menschen betroffen: Laut DAK steigt Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die über Rückenschmerzen klagen, weiterhin an. Rund 60% der 14 bis 29-jährigen leiden in Deutschland unter derartigen Beschwerden.

Es wird argumentiert, dass der Lebenswandel jüngerer Menschen dabei eine Rolle spielt: Die moderne Informationsgesellschaft bewirkt, dass die Zeit vor Bildschirmen allgemein zunimmt, die Aktivität außerhalb der Wohnung kommt oft zu kurz.

Rückenbeschwerden: Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Hinsichtlich der Geschlechter existieren Unterschiede: Frauen geben häufiger Rückenbeschwerden im oberen Bereich an; Männer berichten von Schmerzen in der Lendenwirbelsäule. Begründet wird dies damit, dass Männer Tätigkeiten ausüben, in welchen sie eher körperlich härterer Arbeit leisten. Frauen sind tendenziell in Berufen tätig, die durch längerer Steh- oder Sitz-Zeiten charakterisiert sind.

Auch die Häufigkeit der Beschwerden unterscheidet sich: Studien verdeutlichen, dass Frauen häufiger mit Rückenproblemen zu tun haben. 60% von ihnen geben Rückenschmerzen als Problem an, bei den Männern sind es 50%.

Abseits der Arbeitsanforderungen tragen hohe Schuhe, Schwangerschaft, die Monatsblutungen und auch eine große Oberweite zu den Beschwerden bei, dies erklärt einen Teil der Differenz.

In Hinblick auf die Arbeit kommt die Frage auf: Wie lässt sich am Arbeitsplatz den Rückenschmerzen präventiv begegnen? Folgende bereiche spielen dabei eine wichtige Rolle.

Auf die Körpergröße abstimmen – wie der Stuhl den Rücken schonen kann

Die Sitzfläche des Stuhls sollte so hoch eingestellt sein, dass die Füße auf den Boden gestellt werden können und die Knie dabei einen rechten Winkel bilden. Der rechte Winkel ist beim Ellenbogen genauso wichtig, hier muss die Höhe der Armlehnen bei aufgestützten Unterarmen stimmen.

Rückenlehnen sollten im Bereich der oberen Schulterblätter enden und flexibel nach hinten wippen können. Ob der Stuhl Rollen hat oder fest steht, ist eher zweitrangig für die Haltung, so lange seine Stabilität gegeben ist.

Die lange Zeit propagierten Gymnastikbälle, Hocker zum freien Sitzen ohne Rückenlehne und Wackelstühle sind ebenfalls sinnvoll und stellen eine Alternativoption.

Wie der professionelle Bürostuhl erfüllen sie ihre professionelle und gesundheitliche Funktion aber nur, wenn die Höhe stimmt. Ist dies durch Anpassung möglich, dann laden diese Sitzmöbel zum Dynamischen Sitzen ein: Man wackelt ganz von alleine, ändert öfters die Haltung und beugt so von selbst Verspannungen und Muskelkrämpfen vor. Sitzen impliziert Bewegung, dann treten Rückenschmerzen deutlich weniger auf.

Auch die Höhe des Tischs und die Position des Computerbildschirms müssen stimmig sein. Die Tischplatte sollte entspannt aus dem Sitzen heraus mit hängenden Schultern erreicht werden, die Ellenbogen sollten dabei etwa einen Winkel von 90° einnehmen.

Der Bildschirm ist im Idealfall so gelagert, dass der Blick bei gerade gehaltenem Kopf die Oberkante ebenso streift und darüber hinaus in die Ferne gleiten kann. Hat man beim Arbeiten den Bildschirm im Auge, ist der Kopf leicht gesenkt.

Im Akutfall prüfen: liegt eine Krankheit vor?

Manchmal ist Prävention nicht ausreichend, es erwischt einen trotzdem. Wenn die Muskulatur erst einmal verkrampft ist, fällt es manchmal schon schwer, aus dem Sitzen oder Liegen in die Senkrechte zu kommen. Jetzt ist Erste Hilfe angesagt: Seitliches Aufstehen fällt leichter als das gerade Hochstemmen.

Wenn Rückenschmerzen durch eine falsche Haltung, Bewegungsmangel oder nach dem Schleppen schwerer Utensilien bei der Arbeit auftreten, ist zunächst Ruhe und Erholung indiziert. Z.B. mit Dehnübungen. Wärmeflaschen und Salben.

Ist ein normaler hingegen Arbeitstag nicht möglich, sollte auf jeden Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden. Dieser kann ein entsprechendes Attest für den Arbeitgeber ausstellen. Er leitet an Fachärzte und Physiotherapeuten weiter und gibt Hinweise zur Selbsthilfe. Nicht wenige Muskel-Skelett-Erkrankungen resultieren übrigens aus aus chronischen Fehlhaltungen, die sich anfangs in Form von Verspannungen zeigten.

In solchen Momenten hat die medizinische Abklärung, ob „nur“ eine Blockade oder eben ein zu behandelnder Rückenschaden – wie etwa ein Bandscheibenvorfall – vorliegt, absolute Priorität.

Zudem können auch Erkrankungen innerer Organe (Beispiel: Nieren-Erkrankungen) für Rückenschmerzen verantwortlich sein. Der gesundheitliche Zustand eines betroffenen Menschen kann in solchen Fällen nur mit professioneller Hilfe festgestellt werden. Der Gang zum Arzt ist wichtig und richtig.

Beispiel: Morbus Bechterew

Manchmal sind ernste Rückenkrankheiten bereits vorhanden und machen sich unter normaler Belastung im Büro oder bei anderen Arbeiten bemerkbar.

Morbus Bechterew zeigt sich als schmerzhafte Form einer chronische Erkrankung, welche bereits im jungen Erwachsenenalter zu beobachten ist. Kennzeichnend für den Symptomatik ist das Auftreten von Entzündungen an der Rückensäule.

Sie bewirken bei negativem Verlauf einer Verknöcherung der Wirbelsäule, was zu einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit und Schmerzen führt. Das ärztliche Erkennen von Morbus Bechterew ist extrem wichtig, weil die unbehandelte Erkrankung zur Herausbildung eines Buckels, der zu deutlichen Einschränkungen im Alltags- und Berufsleben des Patienten führt, einhergeht.

Bei rechtzeitiger Abklärung, kann die Krankheit auf Basis der Diagnose gut mit Antirheumatika und Gymnastik behandelt werden.

Stess und psychische Belastung kann sich in Rückenleiden manifestieren

Zu bedenken ist ein psychologischer Aspekt: der Stress. Druck, Arbeitsverdichtung, ein schlechtes Arbeitsklima, mobbende Kollegen oder inhaltliche Überforderung können mental derart belasten, dass sich körperliche Symptome, wie eben Rückenprobleme, manifestieren.

Unter Stress schüttet der Körper Adrenalin aus, die daraus resultierende Schmerzunempfindlichkeit führt dazu, dass das unangenehme Gefühl bei schlechten Arbeitshaltungen weniger wahrgenommen wird. Die Nachteile liegen auf der Hand.

Anzumerken ist ergänzend, dass manche Menschen unter Kälte zu Rückenleiden neigen, während diese bei normalen Temperaturen nicht auftreten.

Die Analyse bei Beschwerden sollte daher multidimensional ausfallen und sowohl physiologische als auch psychologische Ursachen abklären. Gespräche, Beratung und Entspannungsübungen helfen oftmals bei mentalen Ursachen von Rückenscherzen.

Tipps und Hilfen gegen Rückenschmerzen

Ansonsten gilt: In der Freizeit entspannt die Stufenlage begeben. Dabei liegt man flach auf dem Rücken, unter den angewinkelten Beinen befindet sich ein Würfel. Dieser sollte so bemessen sein, dass sich sowohl Hüfte als auch Kniegelenke im rechten Winkel befinden und die Unterschenkel entspannt oben auf dem Würfel aufliegen. Ruhiges Atmen und positive Gedanken helfen.

Während Behandlungen mit schmerzlindernden Salben, Wärme oder Massagen eher eingesetzt werden, solange man sich vor Schmerzen noch nicht bewegen kann, ist Gymnastik oder Sport später wirksamer. Als rückenstärkend gelten Sportklettern und Bouldern, aber auch Yoga, verschiedene Versionen von Reiki und Tai Chi sowie (der Name sagt es schon) die Rückenschule.

Für gesunde Rücken sind Reitsport und Kampfsportarten wie Aikido ebenfalls empfehlenswert. Im Zuge von Rehabilitationsmaßnahmen wird zudem stärkendes Krafttraining gezielt eingesetzt. Wer privat ins Fitnessstudio geht ,sollte bei Rückenbeschwerden allerdings vorher unbedingt ärztlich abklären, welche Rückenübungen helfen und was zu vermeiden ist.

Gute Studios und Kraftträume zudem beschäftigen Trainer, die individuell beraten können und den korrekte Ausführung des Muskelaufbautrainings erklären und zeigen.

Zu vermeiden sind Sportarten, die mit heftigen Drehbewegungen des Rumpfes und schnellen Strecken der Wirbelsäule verbunden sind, weil sie durch Überbelastung auf den „Rücken schlagen“ können. Zu denken ist an Golf, Squash, Tennis, Sprung- und Wurfsportarten oder Turnen.

Intervention und Vorbeugung

  • Optimierung der Arbeitssituation, Verbesserung der Arbeitshaltung (Ausstattung und Verhalten)
  • Mehr Bewegung in den Alltag bringen
  • Gezielte Stärkung und Entspannung des Rückens
  • Reduktion einseitig belastender Freizeitaktivitäten
  • Ärztliche Interventionen bei Rückenschäden
  • Psychologische Unterstützung zum Stressabbau
  • Reduktion belastender Arbeitszeiten
  • Verbesserung der nächtlichen Regeneration durch bessere, rückenfreundliche Matratzen

Spezifisch oder unspezifisch?

Übrigens wird in der Fachpraxis zwischen spezifischen und unspezifischen Rückenschmerzen unterschieden. Während erstere auf eine ernsthafte Erkrankung zurückzuführen und auf jedem Fall behandlungswürdig sind, haben letztere meist mehrere Ursachen.

Die von ungünstiger Haltung und zu wenig Bewegung verursachten Schmerzen gehören zur zweiten Sorte und lassen sich im Normalfall bei rechtzeitigem Handeln gut angehen.

Sinnvoll vorbeugen am Arbeitsplatz und in der Freizeit

Wer sein Büromobiliar auf die individuelle Körpergröße abstimmt, hat schon eine Menge für einen gesunden Rücken getan. Den Damen sei zusätzlich geraten, eher flache Schuhe zu tragen und ihre Taschen gleichmäßig auf beide Schultern zu verteilen.

Die Herren sollten dagegen darauf achten, eher einen Rucksack als eine Aktentasche zu benutzen. Eine feste Schlafunterlage mit flexibler Matratze beugen Rückenschmerzen genauso vor wie das Heben schwerer Gegenstände aus den Knien heraus.

Abwechselndes Arbeiten im Stehen, Gehen und Sitzen beugt Verspannungen ebenso effizient vor wie das berühmte Hampeln auf dem Stuhl.

Die Bewegung, die durch die ständige Änderung der Sitzposition entsteht, tut der Muskulatur gut. Und wenn es gar nicht geht, bezuschusst die Krankenkasse sogenannte Rückenkurse. Die dort vermittelten gymnastischen Übungen können zum Teil auch im Büro in der Kaffeepause ausgeführt werden.