Viele helfende Tätigkeiten in der Pflege weisen ein gemeinsames Problem auf: Sie werden in nach vorne gebeugter Haltung durchgeführt – der ungünstige Winkel belastet und überfordert dabei viele Pfleger und Pflegerinnen. Vor allem dann, wenn die vorgebeugte Haltung der Normalfall ist und immer wieder größere Lasten zu bewegen sind.

Dabei müssen sich Altenpflegekräfte häufiger vorbeugen als Pflegekräfte in normalen Krankenhäusern. Zeitlich betrachtet verbringen sie doppelt so viele Arbeitsschritte in der ungünstigen Neigung. Diese Tatsache zieht oftmals Beschwerden in Rücken, Nacken oder Schultern nach sich und triggert das Muskel-Skelett-System allgemein negativ an.

Vor allem bei Tätigkeiten während der Grundpflege müssen die Pflegekräfte sich oftmals vorneigen, zum Beispiel beim Waschen der Beine und Füße.

Der Themenbereich Ergonomie in der Pflege versucht daher Antworten zu liefern, wie diese Arbeiten besser und schonender absolviert werden können. Ziel ist es, die Qualität der Pflege zu optimieren – und zwar für Pfleger und Gepflegte.

Im Artikel werden relevante Problemstellungen diskutiert und Tipps vermittelt, wie diese angegangen werden können.

Probleme in der Pflege – die Ursachen

Ob Rückenbeschwerden, Verspannungen, Schulterschmerzen oder Gelenkentzündungen – viele Probleme in der Pflege resultieren aus der Tatsache, dass die Grundpflege vor allem in vorgeneigter Haltung absolviert wird.

Dabei werden oftmals hohe Gewichte bewegt und der Körper reagiert auf ungünstige Arbeitswinkel mittel- und langfristig mit Symptomen und Verletzungen. Eine Folge überfordernder und einseitiger Belastungen beim Heben und Umpositionieren.

Nicht alle, aber doch einige Risikoarbeiten lassen sich für die Tätigen besser und gesünder gestalten. Es geht um die Optimierung der Hebewinkel, sportlichen Freizeitausgleich, Erkennen der eigenen Grenzen und das Nutzen von Hilfsmitteln.

Zu bedenken sind ebenso strukturelle Überforderungen wie zu lange Arbeitszeiten oder eine zu hohe Arbeitsdichte. Neben der mangelnden Wertschätzung von Pflegeberufen gelten organisatorische Defizite als eine der Hauptfrustrationsquellen von Menschen, die in diesem Bereich arbeiten. Der Fokus auf die „sichtbare“ Ergonomie darf keine Ausrede sein, das Thema psychische Belastungen in der Altenpflege zu vernachlässigen.

Tipps für mehr Ergonomie bei pflegenden Tätigkeiten

Was lässt sich auf praktischer Ebene verbessern? Als Basis gilt zunächst eine passende Arbeitskleidung. Neben weiter und somit bewegungsfreundlicher Kleidung ist vor allem auf festes und stabiles Schuhwerk zu achten. Nur damit ist ein zuverlässiger Stand beim Heben möglich.

Gerader Rücken und starke Bauchmuskeln

Es ist wichtig, den Rücken bei der Pflegearbeit gerade zu halten, weil die Bandscheiben deutlich geringer und zudem gleichmäßiger belastet werden. Dies schont Pfleger und Pflegerinnen, eine aufrechte Haltung verhindert Bandscheibenvorfälle oder Diskusprotrusion.

Idealerweise führt die betreuende Fachkraft das Anheben möglichst nah am eigene Körper durch, damit der Hebewinkel gesundheitlich verträglicher ausfällt. Dabei werden die Füße breitflächig und leicht versetzt aufgestellt.

Bei Umsetzvorgängen sollte man zudem die Bauchmuskeln kräftig anspannen, um der Wirbelsäule mehr Stabilität zu liefern und die Bandscheiben zu schonen. Hier wird die Bedeutung einer trainierten Bauchmuskulatur für die Gesundheit deutlich, sie fungiert als wichtiger „Puffer“.

Zusammenarbeit und Hilfe

Besonders schwere Hebevorgänge absolviert man besser Team. Gegenseitiges Helfen und eine unterstützendes Klima im Pflegeteam schützt nicht nur den Körper, sondern stärkt Zusammenhalt und Wir-Gefühl.

Fließende & gleichmäßige Hebewegungen

Gleichmäßige Bewegungen sind vor allem dann wichtig, wenn viel Gewicht bewegt wird. Dabei gilt der Grundsatz: Beinmotorik vor Rumpfmotorik. Dies bedeutet nicht nur, dass die Pfleger größere Lasten aus den Beinen heben sollen, sondern zudem, dass bei Drehungen die Beine den Richtungswechsel vor dem Rumpf absolvieren.

Dies schützt vor einseitigen Überlastungen der Rückenpartie. Im folgenden Video werden viele Tipps und Hinweise im Rahmen der Pflege visualisiert:

Video: rückenschonendes Arbeiten in Pflegeberufen

Ebenso relevant ist es, die eigenen Grenzen zu erkennen und sich selbst nicht zu überschätzen. Wer erste Symptome wahrnimmt und nicht verleugnet, kann rechtzeitig entgegenwirken. Hier ist der Faktor Selbstbewusstsein entscheidend. Denn nur, wer sich selbst ernst nimmt, bleibt handlungsfähig.

Hilfsmittel: Lifter und Gleitmatten

Sind Hilfsmittel vorhanden, dann sollten sie besonders bei körperbelastenden Tätigkeiten verwendet werden. Konkret: Umsetzen, Aufstehen und Positionswechsel. Dies entlastet die Pflegekräfte und wirkt sich positiv auf die Selbstständigkeit der betreuten Menschen aus.

Beispiele:

  1. Lifter bei Umsetzarbeiten (Bett <-> Rollstuhl)
  2. Drehscheiben
  3. Gleitmatten/ Gleitlaken*

Hinweis zu Gleitmatten bzw. Gleitlaken: Diese erleichtern das Umpositionieren von Patienten. Die Erleichterung umfasst den Transfer in das bzw. aus dem Bett.

Sie unterstützen ferner den seitlichen Transfer von Bett zu Bett oder den Wechsel auf eine Bahre. Die spezielle Oberfläche vermindert dabei eine unangenehme Reibung der Haut des Patienten.

Richtige Arbeitshöhe in der Pflege schont den Rücken

Die Grundpflege im Bett umfasst zu fast 50 % Arbeitsschritte in aufrechter Körperhaltung. Die Betthöhe entscheidet dabei maßgeblich, wie verträglich diese umgesetzt werden. Aus ergonomischer Perspektive sollte das Bett stets auf Leistenhöhe der Pflegekräfte hochgestellt werden, damit diese in einer schonenden Position agieren können.

Die Höhenanpassung des Bettes markiert einen gesundheitlich relevanten Teilaspekt in pflegenden Berufen, sie erlaubt einen festen Stand und eine adäquate Körperhaltung, wenn in stehender Position gearbeitet wird.

Wer hingegen im Sitzen arbeitet, profitiert von einem Stuhl, auf dem angenehm und in aufrechter Haltung Platz genommen wird. Auch dieser sollte höhenverstellbar sein, damit die pflegende Tätigkeit im 90°-Winkel durchgeführt werden kann.

Hocker bei der Grundpflege nutzen

Mit einem angemessenen Hocker* lässt sich die Grundpflege leichter und angenehmer durchführen. Sitzt die Pflegekraft bei den helfenden Aktivitäten auf einem Hocker, dann verringert sich der Anteil der nach vorne gebeugten Haltung von fast 87 % auf deutlich unter 20 %.

Ein enormer Wert, der zeigt, wie mit einfachen Änderungen hohe Belastungswerte abgefangen werden können.

Beruflicher Ausgleich mit Freizeitsport

Wer regelmäßig Sport zum Ausgleich treibt, verkraftet Belastungen besser und schneller – und zwar in physiologischer und psychologischer Hinsicht. Aktivitäten wie Wandern, Nordic Walking, Radfahren, angemessenes Krafttraining, Bergsteigen oder Schwimmen sind an dieser Stelle beispielhaft zu nennen.

Beginnt man neu, sollte die Intensität langsam und dosiert gesteigert werden, um Überforderungen zu vermeiden. Generell sollte ein Interesse am jeweiligen Sport vorhanden sein, damit die Motivation für die ausgleichende Aktivität länger andauert.

Dem sollten natürlich passende Pausen- und Ruhezeiten gegenüberstehen, denn die anspruchsvolle Pflegetätigkeit verlangt eine regelmäßige Phase der Regeneration. Erneut ist das Gespür für den eigenen Körper wichtig. Nur dann lässt sich bemerken, wann eine Erholungsphase nötig wird.

Fazit: Ergonomie und Pflege

Die Pflege zählt zu den mental herausfordernden und körperlich anspruchsvollen Berufen. Durch ergonomische Optimierung wichtiger Arbeitsschritte, kompensierenden Sport und den Nutzen von Hilfsmitteln lassen sich anfallende Belastungen auf Seiten der Pfleger aber zumindest reduzieren und verträglicher gestalten.