Ob im Beruf oder in der Freizeit, in der Gegenwart sitzen viele Menschen lange vor dem Bildschirm. Nicht ohne Folgen, denn der monotone Blick und das reduzierte Blinzeln führen bei einigen von ihnen zu trocknen und überforderten Augen.

Genau der daraus resultierende gereizte bis entzündete Zustand wird in der Arbeitswelt als Office Eye Syndrom oder alternativ als Computer Vision Syndrome umschrieben. Computerspieler – sogenannte E-Gamer – nennen diese Art von Augenbeschwerden, die vor allem bei langem und fokussierten Gaming auftreten, das Gamer Eye.

Die Namensgebung weist dabei einen pragmatischen Charakter auf, indem sie den Ort oder Tätigkeiten, in denen die Belastung schwerpunktmäßig auftritt, in den Begriff integriert.

Was sind die Ursachen des Office Eye Syndroms, wie lässt sich der Belastung am Bildschirm entgegen wirken? Diesen Fragen geht der Artikel nach.

Symptome und Ursachen des Office Eye Syndroms

Ursache für das Office Eye bzw. Gamer Eye ist so gut wie immer die intensive und zeitlich lang andauernde Bildschirmarbeit. Meist blicken oder stieren die Betroffenen lange Zeit monoton und starr auf ihren Bildschirm. Die Augen arbeiten auf Hochtouren und sind gleichzeitig extremer Bewegungsarmut ausgesetzt.

Während ihrer Bildschirmtätigkeit blinzeln fast alle Menschen weniger. Sie ändern ihre Haltung kaum und reduzieren mit ihrem fokussierten Blick das umgebende Sichtfeld deutlich. Ihre Konzentration auf die professionelle Aufgabe bewirkt also, dass sich der Lidschlag dramatisch reduziert.

Ein Nachteil, denn dieser dient der Regulation der Feuchtigkeit im Auge.

Reduzierter Lidschlag

Der normale und alltägliche Wert für den Lidschlag beträgt etwa 20-25 „Blinzeleinheiten“ pro Minute. Dieser für die schützende Feuchtigkeit der Augen so wichtige Prozess reduziert sich teilweise vor dem PC-Monitor und auch bei Notebooks auf 1-2 Einheiten alle 60 Sekunden.

Mit spürbaren Folgen: Der drastisch verminderter Lidschlag senkt die Dicke der äußeren Lipidschicht drastisch. Die Zeitspanne, in welcher der menschliche Tränenfilm zwischen den Lidschlägen stabil bleibt, nimmt um fast die Hälfte ab.

In diesem Zuge verdunstet die Tränenflüssigkeit zu schnell oder sie läuft über den Lidrand ab, was zu den bekannten tränenden Augen führt. Gleichzeitig erhöht sich die Anfälligkeit für Infektionen an und im Sehapparat.

Tritt die gerade beschriebene Belastung regelmäßig auf, etwa weil die Bildschirmarbeit den Hauptanteil des Jobs ausmacht, dann kann es zum Office Eye Sydrom kommen. Ein Zustand, den viele Büromitarbeiter oder tätige im Home Office als trockene oder müde Augen am Arbeitsplatz kennen.

Auch Kontaktlinsenträger sind gefährdet, denn Kontaktlinsen stören oftmals den Aufbau des nötigen Tränenfilms.

Folgen des verminderten Blinzelns bei der Bildschirmarbeit

Folgende Symptome und Phänomene, die unter den Oberbegriff Office Eye Syndrom subsumiert werden können, sind bekannt:

  • Augenentzündung
  • Rötung der Augen
  • Extrem trockene Augen
  • Müde und gereizte Augen
  • Kopfscherzen durch Überforderung des Sehapparates
  • Diffuses Unwohlsein, schummriges Gefühl beim Sehen
  • Konzentrationsdefizite, Probleme bei der visuellen digitalen Informationsverarbeitung

Rechtzeitig bei ersten Problemen handeln

Wichtig ist es, vor dem Auftreten ernster Probleme (z.B. einer möglichen Entzündung des Sehapparates) die frühen Warnsignale wahrzunehmen und passend auf sie zu reagieren. Büroarbeiter und Selbstständige profitieren mittel- und langfristig immer davon, ein Gespür für die Überforderung ihres Körpers zu entwickeln. Besonders, wenn Ihr Sehapparat auf dem Weg ist, spürbar zu erkranken.

Zunehmender Druck im Augenbereich, erste Rötungen oder Kopfschmerzen weisen einen expliziten Aufforderungscharakter auf. Sie zeigen an, dass etwas an den belastenden Abläufen geändert werden sollte, auch wenn dies in der hektischen Arbeitswelt der Gegenwart im wahrsten Sinne des Wortes nicht immer gerne „gesehen“ wird.

Was können Betroffene für ihre Augen tun?

Oft helfen bereits kleine Änderungen der Arbeitsabläufe oder der Lebensführung:

  1. Mehr und vor allem regelmäßige Pausen am Arbeitsplatz unterbrechen den starren Blick auf den Bildschirm. Sie erweitern das Blickfeld und bieten den Augen die dringend nötige Abwechslung – die Lidschlagrate normalisiert sich
  2. Reduktion der Zeit, welche man in der Freizeit am Rechner verbringt. Ein einfacher quantitativer Aspekt, der nicht selten vernachlässigt wird. Wer zum Beispiel anfängt, Sport zu treiben statt zu Hause am Rechner zu sitzen, der bietet den Augen neue erholsame Szenerien und sorgt zudem für den Ausgleich mangelnder Bewegung am Bildschirmarbeitsplatz
  3. Es erfordert etwas Übung, aber das bewusste und regelmäßige Blinzeln vor dem Bildschirm lässt sich trainieren. Ein durchaus anstrengender Prozess, der anfangs recht viel Disziplin einfordert und für einen Teil der Betroffenen geeignet ist
  4. Im Büro sollte zudem auf eine angemessene Luftfeuchtigkeit geachtet werden; auch die Beleuchtung am Arbeitsplatz kann sich belastend oder positiv auf die Augen auswirken
  5. Eine Verkürzung der Arbeitszeit hilft manch Geplagtem, wenn vorherige Interventionen erfolglos verlaufen sind. Dabei kommt es natürlich zu finanziellen Einbußen

Weitere Hilfe: Einsatz von Augentropfen bzw. Augensprays

Natürlich existieren weitere Interventionsansätze: Liposomale Augensprays stabilisieren die Lipidschicht und werden als medikamentöse Option genutzt. Idealerweise ist ihr Ansatz ärztlich abgeklärt.

Dennoch sollten die situativen Ursachen nicht aus dem Blickwinkel geraten und stets angegangen werden. Augentropfen helfen häufig bei Beschwerden, sollten die Sicht auf die Ursachen aber nicht trüben.

Office Eye Syndrom – das Fazit

Das Office Eye Syndrom ist ein weit verbreitetes Überforderungssymptom, welches meist schleichend beginnt und dennoch nicht unterschätzt werden sollte. Sind die Augen trocken, gereizt oder deutlich gerötet und treten Konzentrationsschwächen hinzu, dann ist es Zeit, zu handeln. Von passenden Interventionen profitiert nicht nur die Leistung und das Wohlbefinden im Beruf, sondern ebenfalls das Privatleben, welches man erholter und sorgenfreier genießen kann.