In dieser FAQ-Rubrik werden oft gestellte oder von Lesern eingereichte Fragen zum Thema Ergonomie möglichst präzise und bündig beantwortet. Fällt der Gegenstand der Frage komplexer aus, bieten weiterführende Links eine Inhaltsvertiefung an.

Ergonomie FAQ

Warum ist Ergonomie wichtig?

Die Zukunftsplanung moderner und humaner Gesellschaften steht vor der Aufgabe, eine effiziente Produktion mit Humanität und Umweltverträglichkeit zu einen. Themen wie ökologische Nachhaltigkeit und gesundheitlicher Schutz von arbeitenden Menschen haben längst eine gesellschaftspolitische Dimension erreicht.

Arbeit und Leistung werden positiv konnotiert, Ausbeutung und Verschleiß sind hingegen Kennzeichen negativer und längst überholter Bedingungen. Die Relevanz der Ergonomie liegt darin, dass immer wieder betont und erarbeitet wird, wie Menschen an ihrem Arbeitsplatz besser und gleichzeitig körperschonender agieren können. Das Thema Mensch-Maschine-Interaktion ist bei vielen Tätigkeiten kein abstraktes Zukunftskonstrukt mehr, sondern Realität. Es geht nun um die Optimierung mit Fokus auf den Menschen und seinen gesundheitlichen Bedürfnissen.

Im Rahmen ergonomischer Entwicklungen werden Prozesse und Produkte erarbeitet, die maßgeblich dabei helfen, die in Büros und Betrieben tätigen Menschen zu unterstützen und zu schützen. Daraus resultiert weniger Verschleiß und Krankheit, eine langfristige Jobperspektive und mehr Lebensqualität – alles Merkmale einer modernen Arbeitswelt. Sie eint im Idealfall Leistungsgedanken mit dem Respekt vor dem jeweiligen Individuum.

Aus diesem Fortschritt speisen sich natürlich bessere Ergebnisse und technische Innovationen. Technische Neuerungen fußen auf guten, individuell anpassbaren Arbeitsbedingungen und tragen dazu bei, selbige wieder zu verbessern. Zu bedenken ist bei größeren Betrieben zudem der Image-Aspekt: Die Herstellungsbedingungen müssen zur Identität der Firma und zum offerierten Produkt passen, die Öffentlichkeit reagiert sensibler auf Arbeitsbedingungen mit ausbeuterischem Charakter. Die Ergonomie ist deshalb so wichtig, weil sie anteilig sicherstellt, dass der Mensch in der modernen Wirtschaft Subjekt und nicht Arbeitsobjekt ist.

Welche Pflichten hat der Arbeitgeber?

Der Gesetzgeber nimmt bei der Gestaltung der Arbeitsplätze den jeweiligen Arbeitgeber mit Verordnungen und Regelungen in die Pflicht. Er ist angehalten, dafür zu sorgen, dass Arbeit­nehmer an den jeweiligen Arbeits­platz keinen vermeid­baren körper­lichen oder seeli­schen Schaden erleiden. Somit zählt die Gefährdungsbegutachtung zu den anfallenden Aufgaben.

Praktisch sollen jeweils die aktuellen Ergonomie-Standards beachtet werden, damit die Arbeits­plätze dementspre­chend eingerichtet werden können. Somit werden alle Arbeitgeber zur stetigen Fortbildung angehalten.

Als Schwierigkeit entpuppt sich, dass stetig neue Erkenntnisse im Rahmen der Forschung gewonnen werden. Dies markiert natürlich einen Fortschritt, macht es jedoch schwieriger, sichere Standards gesetzlich zu verankern.

100% konkrete und eindeutige gesetzliche Bedingungen wurden bis dato nicht verabschiedet, sodass immer ein gewisser Interpretationsspielraum mitschwingt. Vorhanden sind stattdessen Richtlinien seitens des Gesetzgebers, welche bei Bedarf überprüft werden können. Zum Beispiel dann, wenn viele Arbeitnehmer berichten, dass die Arbeitgeber-Pflichten im großen Rahmen verletzt werden und nachteilige Arbeitsplatzbedingungen vorliegen.

Folgende Verordnungen und Richtlinien spielen bei den Arbeitgeberpflichten eine Rolle:

Momentan wird zumeist erst bei eklatanten Verstößen reagiert, hier kann es allerdings zu Bußgeldern im vierstelligen Bereich kommen.

Was bedeutet Ergonomie am Computerarbeitsplatz?

Die Bedeutung der Ergonomie am Computerarbeitsplatz liegt darin, dass das gesamte Setting (PC, Bildschirm, Tastatur, Maus, Arbeitsfläche) an den Bedürfnissen des Nutzers orientiert wird, sodass dieser seinen PC-Arbeitsplatz optimal auf sich und seine Körpermaße einstellen kann. Und das heißt: Besseres Arbeiten und weniger Belastungen für das Muskel-Skelett-System. Darüber hinausgehend sind alle Elemente nach den aktuellen ergonomischen Erkenntnissen gestaltet (z.B. eine handliche Maus oder die bedienungsfreundliche ergonomische Tastatur), sodass unnötige Belastungen des Körpers entfallen. Detaillierte Informationen dazu vermittelt der Artikel zur ergonomischen Optimierung des Bildschirmarbeitsplatzes

Ist Ergonomie mit wenig Geld möglich?

Die Frage, ob sich mit begrenzten Finanzen sinnvolle Änderungen angehen lassen, kann zunächst nicht pauschal beantwortet werden. Dazu sind die Situationen zu vielfältig. Grundsätzlich gilt: Eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung erfordert natürlich ein gewisses Budget. Dabei lässt sich dieser Aufwand bei einer Erstausstattung mit bereits veranschlagten Kosten leichter stemmen, als bei einer kompletten Neugestaltung vorhandener Arbeitsplätze in einem großen Betrieb.

Zu bedenken sind immer die lang- und mittelfristigen Effizienzsteigerungen sowie reduzierte Krankheitstage der Mitarbeiter als Folge besserer Arbeitsbedingungen. Diese positiven Wirkungen holen einen Teil der Investition zumeist wieder ein. Kleinunternehmer und Selbstständige sollten hingegen nach dem Prinzip der kleinen Schritte vorgehen und die Belastungen ihres Geldbeutels aufteilen.

Auch wenn nicht jede Verbesserung sofort finanzierbar ist, markiert etwa die Optimierung des Bildschirmarbeitsplatzes einen ersten Schritt nach vorne, der zudem steuerlich geltend gemacht werden kann. Darauf aufbauend, lassen sich Jahr für Jahr durch gezielte Anschaffungen bessere Bedingungen schaffen, dies verteilt die Kosten und vermeidet dadurch finanzielle Belastungsspitzen.

Manche Änderungen kosten zudem nichts, weil sie das eigene Verhalten betreffen: Aktives und Dynamisches Sitzen lernen, Pausen einhalten oder mehr Bewegung zum Ausgleich in den Arbeitsalltag integrieren – all dies sind Verhaltensänderungen, die erlernt werden können, ohne dass sie das finanzielle Budget belasten.

Wie arbeitet ein Ergonomiecoach?

Einige Unternehmer heuern einen externen Ergonomiecoach an, der sein Wissen dafür nutzt, die Arbeitsplätze des Betriebes zu individualisieren und aus ergonomischer Sicht besser zu machen. Zunächst analysiert dieser die konkrete Arbeitsplatzsituation. Und zwar indem er die Mitarbeiter in ihrem alltäglichen Arbeitsverhalten beobachtet. Schnell werden belastende oder gar rückenschädigende Verhaltensweisen und Zwangshaltungen erkannt.

Basierend auf diesen Beobachtungen folgt individuelles und ressourcenorientiertes Coaching, in welchem gezielt Strategien zur Optimierung entwickelt werden, um die Situation des Mitarbeiters zu optimieren. Konkret wird dabei ein Interview geführt, welches die jeweiligen Arbeitsgewohnheiten abfragt. Dazu tritt die Anamnese bereits bekannter gesundheitlicher Beeinträchtigungen und spürbarer Problemfelder.

Im nächsten Schritt vermittelt der Ergonomiecoach Hinweise und Tipps zum rückenfreundlicheren Arbeiten. Es geht darum, Verhaltensweisen einzuüben, welche das Muskel-Skelett-System weniger oder gar nicht belasten. Vor allem die zusätzlich angebotenen Methoden der Muskelentspannung und Muskellockerung im Rahmen eines Office Trainings tragen zur Regeneration belasteter Körperregionen bei. Da meist nicht alle Beschwerden solchen Maßnahmen zugänglich sind, werden anschließende Schritte wie ein Arztbesuch, Einsatz von ergonomischen Hilfsmitteln, Physiotherapie, Sport oder eine sinnvolle Ernährungsumstellung thematisiert und diskutiert.

Ist eine ergonomische Arbeitsplatzausstattung teuer?

Ergonomische Produkte für den Arbeitsplatz decken insgesamt eine sehr große Preisspanne ab, weshalb vereinfachende Antworten meist zu kurz greifen. Es existieren einerseits günstige Angebote, aber auch preislich sehr ambitionierte Produkte. Es stimmt, dass etwa anpassbare und in der Höhe verstellbare Schreibtische mehr kosten als statische Modelle. Somit fallen die Anschaffungskosten im Vergleich zu gängigen Büroartikeln oftmals höher aus.

Im Gegenzug verringern sich die Krankheitstage und oftmals steigt die Leistungsqualität an, wenn die Arbeitsplatzausstattung an ergonomischen Kriterien orientiert ist. Das investierte Geld wird somit im Normalfall wieder eingeholt. Eine spürbar gesteigerte Effizienz bedeutet für den Mitarbeiter mehr Gesundheitsschutz und für die Unternehmen im Normalfall mehr Profit. Ein Musterbeispiel für gelungenes ROI (Return Of Investment).

Was ist der Unterschied zwischen Ergonomie und Anthropometrie?

Anthropometrie ist ein Begriff, welcher die Lehre der Ermittlung und Anwendung der Maße des menschlichen Körpers umfasst. Es geht um die Physiologie des Menschen. Viele Erkenntnisse stehen somit im direkten Bezug zu ergonomischen Ansätzen, indem sie zur Gestaltung von Arbeitsplätzen, Werkzeugen und Möbeln genutzt werden. Darüber hinausgehend spielt das erworbene Wissen im Arbeitsschutz eine Rolle. Beispielsweise bei der Bemessungen von Schutzabdeckungen zu gefahrenträchtigen Orten und Materialien.

Existieren Synonyme für den Begriff Ergonomie?

Ein Synonym, welches die Semantik des Begriffs zu fast 100% abdeckt, existiert nicht. Wie aus der Definition des Ergonomie-Begriffes deutlich wird, handelt es sich um eine kreative und nützliche Wortschöpfung. Allerdings werden Zuschreibungen wie nutzerfreundlich, gebrauchstauglich oder passgenau in pragmatischer Weise oft äquivalent genutzt.

Ab wann ist ergonomisches Inventar sinnvoll?

Zunächst etablierte sich die Ergonomie als „Erwachsenenthema“, da die klassische Arbeitswelt und ihre Belastungen im Vordergrund stand. Mit der Ausweitung des Blickwinkels und der Erkenntnis, dass Kinder und Jugendliche im Rahmen von Schule und Ausbildung auch Arbeit leisten, verschob sich die Perspektive. Zwar weist das Thema Ergonomie für Kinder einige Besonderheiten auf, doch das Gespür für gutes Sitzen und die richtige Arbeitshöhe kann und sollte früh erlernt werden, damit eine gesunde Haltung – z.B. bei umfangreichen Hausaufgaben – einfach normal wird. Ab wann ist ergonomisches Inventar in Familien demnach sinnvoll? Mit Beginn anfallender Hausarbeiten, die eine Arbeitsfläche einfordern.

Was sind Nachteile fehlender Ergonomie?

Die negativen Folgen fehlender Ergonomie machen sich meist mittel- und langfristig bemerkbar und hängen auch von den eigenen Empfindlichkeiten ab. Wer etwa schnell Kopfschmerzen bekommt, leidet unter einem qualitativ schlechten und flimmernden Monitor mehr als andere Menschen. Generell lässt sich bei einem nicht optimierten Arbeitsplatz das Leistungsvermögen nie richtig abrufen; Effektivität und Effizienz leiden. Einseitige Belastungen und chronisch monotone Haltungen wirken sich dabei so gut wie immer negativ auf Körper und Geist aus. Gleich eine ganze Batterie an Symptomen und Krankheiten kann auftreten, sie werden im Artikel über typische Bürokrankheiten konkretisiert. Zudem erhöht eine nicht vorhandene Arbeitsplatzergonomie bei schweren Lasten die Unfallgefahr und beeinflusst Motivation und Zufriedenheit bei den betroffenen Mitarbeiten in negativer Weise.

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