Ergonomie umfasst neben dem konkreten ergonomischen Design des Inventars ebenfalls sogenannte weiche Faktoren. Diese zählen zum Kontext, in welchem die Arbeit und die jeweilige Tätigkeit geleistet wird.

Viel Licht, frische Luft, die passende Temperatur, die Raumgröße, die richtige Farbgestaltung sowie Bilder & Pflanzen im Arbeitsplatzzimmer zählen zu jenen Eigenschaften der professionellen Umgebung, die sich förderlich oder negativ auf den Arbeitsfluss und das Wohlbefinden auswirken können.

Dieser Artikel widmet sich der bestmöglichen Farbe und Farbgestaltung am Arbeitsplatz.

Wie sollte ein moderner Arbeitsraum farblich sinnvoll akzentuiert werden? Grundlegende Informationen, Hinweise und Empfehlungen für ein besseres Firmenbüro.

Farbe im Büro – allgemeine Informationen

Meist denkt man nicht bewusst über die Farben nach, die man stets um sich hat. Zumindest nicht über ihre Wirkung auf den Arbeitsfluss, obgleich die meisten Menschen klar benennen können, welche Farben sie bevorzugen und welche sie nicht so mögen.

Doch die Wirkung der betrieblichen Farbgestaltung geht weit über subjektive Vorlieben hinaus, sie tangiert Denkprozesse, die Laune, die Motivation, die Effizienz, die Regeneration, den Fokus und das Wohlbefinden, weil archetypische Erfahrungen eine Rolle spielen.

Um so wichtiger ist die Kenntnis darüber, wie die Farbwahl die Qualität des Arbeitsplatzes oder des Heimarbeitszimmers beeinflusst.

Ziel ist immer eine spür- und erkennbar besser Arbeitsplatzgestaltung, die sowohl die Leistung als auch das Wohlbefinden steigert.

Was ist Farbe eigentlich? – die Unterscheidung von Spektral- und Körperfarben

Grundlegend zum Farbverständnis ist die Differenzierung zwischen Spektral- und Körperfarben.

Name der Farbe Wellenlängenbereich Frequenzbereich
rot ≈ 700–630 nm ≈ 430–480 THz
orange ≈ 630–590 nm ≈ 480–510 THz
gelb ≈ 590–560 nm ≈ 510–540 THz
grün ≈ 560–490 nm ≈ 540–610 THz
blau / indigo ≈ 490–450 nm ≈ 610–670 THz
violett ≈ 450–400 nm ≈ 670–750 THz

Tabelle: Spektralfarben

  1. Spektralfarben sind reine Farben. Der Begriff beschreibt den durch monochromatisches Licht hervorgerufenen Farbeindruck, welcher durch seine spezifische Wellenlänge festgelegt wird. Weißes Licht entsteht durch die Mischung der Anteile aller Wellenlängen des sichtbaren Spektralbereiches. Ein Prisma erlaubt es, das weiße Licht bzw. Tageslicht in verschiedene Farben zu brechen. Alle Farbtöne resultieren aus unterschiedlichen Brechungen des weißen Lichts, das gesamte Lichtspektrum von Violett über Blau, Grün, Gelb und Orange bis hin zu Rot wird erzeugt. Die Zerlegung des Lichtes in seine Spektralfarben gelang als erstem Isaac Newton. Dieser legte nachvollziehbar dar, was geschieht, wenn Sonnenlicht auf ein Prisma trifft. Thomas Young konkretisierte später, dass sich die Spektralfarben auf drei Grund- oder Primärfarben reduzieren lassen, aus denen man alle anderen Farben mischen kann: Rot, Grün und Blau.
  2. Körperfarben: Oft wird im Alltag vergessen, dass Körper und Materialien selbst keine Farbe besitzen und Beleuchtung zur Farbwahrnehmung durch Menschen benötigen. Sie erscheinen für uns in jener Farbe, welchen sie aus der Gesamtmenge des weißen Lichts (Tageslichtes), das auf sie trifft, reflektieren. Dieser zurückgeworfene Anteil fällt in das Auge des Betrachters und bewirkt die Wahrnehmung eines Farbtons. Eine blaue Wand absorbiert beispielsweise alle sichtbaren Spektralfarben außer Blau.

Ohne eine gute Beleuchtung (vgl. den Spruch: „Nachts sind alle Katzen schwarz.“) entfaltet die beste Farbgebung im Arbeitsraum nicht ihre Wirkung. Daher ist es unverzichtbar, für eine professionelle Beleuchtung am Arbeitsplatz zu sorgen.

Farbwahrnehmung als multidimensionaler Prozess

Zudem assoziieren Menschen Farben mit anderen Eindrücken. Sie verbinden Geschmack, Temperatur, Geruch und taktiles Empfinden mit den für sie sichtbaren Farbtönen.

Adjektive wie sauer, warm, kalt, laut, leise, geruchsintensiv, aufdringlich, dezent, süß, weich oder hart spielen in die Bedeutung einer Farbe hinein, sie „wirkt“ somit komplex und mehrdimensional.

Zu betonen ist zudem der Einfluss auf die Wahrnehmung des Raumes: Warme Farben lassen einen Raum kleiner und kalte Töne ein Zimmer größer erscheinen.

Ergonomie am Arbeitsplaz - Beispielgrafik

Licht und Hintergrund bzw. Wandfarben im Einklang – ein modernes Büro bietet den Augen dann Ruhe, wenn sie vom Bildschirm aufblicken

Links zur Beliebtheit und postulierten Wirkung von Farben

Neben den allgemein postulierten Wirkungen von Farben spielen natürlich kulturell vermittelte und persönliche Erfahrungen eine Rolle. Eine aufschlussreiche Grafik über Farbpräferenzen bietet metacolor.de auf dieser Unterseite.

Hinweise zum Farbempfinden und zur Wirkung von Farben liefert die Site buero-forum.de. Dort findet sich zudem eine Tabelle, in welcher den jeweiligen Farben konkrete Bedeutungen und Eigenschaften zugeschrieben werden.

Jede Farbe wird in Hinblick auf folgende Wirkungsdimensionen eingeordnet:

  • Physiologische Wirkung
  • Psychologische Wirkung
  • Haptik
  • Gewicht
  • Raumwirkung

Farben nur auf eine optische Wirkung zu reduzieren, greift somit zu kurz. Auch physiologische Prozesse wie Stoffwechsel, Hormonhaushalt, Blutkreislauf, Herzschlag-, Puls- und Atemfrequenz werden durch die umgebenden Farben subtil angetriggert.

Büros und Arbeitsräume richtig streichen – Tipps und Empfehlungen

Folgende Empfehlungen zur richtigen Akzentuierung professionell genutzter Räume lassen sich nach aktueller Kenntnislage zusammenfassen:

  • Sparsamkeit: Generell ist es sinnvoll, nicht zu viele unterschiedliche Farben zu verwenden, um Unübersichtlichkeit und Überforderung auszuschließen. Besser eignen sich ausgewählte Variationen einer Hauptfarbe oder ein durchdachtes Farbschema von 2-5 harmonierenden Farben. Das wirkt elegant und abgestimmt. Im Webdesign gilt bei Farben der Satz: „Farbig, aber nicht bunt.“ In Büroräumen sollte diese Leitlinie um den Aspekt „hell, abgestimmt und keinesfalls überfordernd“ erweitert werden. In diese Richtung zielt auch die Norm DIN EN ISO 924 – Teil 8 empfiehlt den sparsamen, konsistenten und durchdachten Farbeinsatz.
  • Angemessenheit und helle Ausgestaltung Während daheim individuelle Vorlieben immer eine Rolle spielen, eignen sich schwach gesättigte Farben für das Büro und für das Mobiliar. Hell muss nicht Weiß bedeuten (siehe unten), es kann auch ein schwach gesättigter grüner oder blauer Farbton sein. Vorhänge bzw. Jalousien sollten ebenfalls einen hellen und einfarbigen Charakter aufweisen.
  • Keine dunklen Wandfarben: Kräftige und dunkle Farben lassen das Arbeitsplatzzimmer hingegen enger und kleiner erscheinen, sie eignen sich weniger für einen professionell genutzten Raum, es sei denn, sie werden bewusst für kleine Flächen als „Farbtupfer“ verwendet.
  • Einfarbigkeit und Monotonie vermeiden: Nur eine Farbe für alles zu verwenden, erscheint ebenfalls wenig sinnvoll. Das Ergebnis wirkt monoton, bieder und für die Augen ermüdend. Besser sind die oben erwähnten Farbvariationen einer Hauptfarbe, ein abgestimmtes und reduziertes Farbschema oder die Verwendung kleiner Flächen, die eine kräftige Farbgebung aufweisen und dadurch als „Eyecatcher“ dienen.
  • Kein grelles Weiß nutzen: Hell ist zu empfehlen, ein grelles Weiß stresst die Augen hingegen und sollte vermieden werden.
  • Hinweise zu einer farbigen Optik: Fröhliche Farben heben die Laune an und steigern bei vielen Tätigen die Motivation. Dennoch sind zum Beispiel orangefarbene Wände nicht zu empfehlen. Wer auf einen optimistischen Charakter aber nicht verzichten möchte, der kann über Farbtupfer an der hellen Wand nachdenken. Ein guter Kompromiss. Ebenfalls sollte man im Vorfeld bedenken, dass einige Farben im Alltag eine klare Bedeutung besitzen, so gilt zum Beispiel Rot als Warnfarbe.
  • Verhältnis von Decke und Boden beachten: Deckenfarben sollten am hellsten und Bodenfarben am dunkelsten sein.

Als abschließende Anmerkung sei gesagt, dass die Farbe Grün in einigen Artikeln als sehr förderlich in Hinblick auf Kreativität eingeschätzt wird. Blau gilt als nützlich in Hinblick auf die Produktivität.

Warum ist der optische Aspekt des Arbeitsplatzes so relevant?

Neben dem ästhetischen Aspekt, der oben beschriebenen Farbwirkung und der allgemeinen Qualität des Arbeitsplatzes ist vor allem zu bedenken, dass moderne Bildschirmarbeit anstrengend ist: Sie belastet die Augen explizit.

Diese Belastung ist mit den Farbmonitoren noch gestiegen, weil farbiges Licht aufgrund der unterschiedlichen Wellenlänge in der Augenlinse verschieden stark gebrochen wird. Daher ist das Interesse an ergonomischen Monitoren nach wie vor recht groß.

Viel Farbe auf dem Bildschirm betont das unterschiedliche Helligkeitsniveau zwischen Monitor und Umgebung stärker. Sie fordert die Augen dadurch heraus, denn die Pupille erweitert und verengt sich deutlich, wenn sie einen neuen Wahrnehmungsgegenstand anvisiert. Den dabei geleisteten Helligkeitsausgleich nennt man Adaption.

Somit meistert das Auge in der Gegenwart eine anspruchsvollere Aufgabe – genauer: eine höhere Anpassungsarbeit (Akkommodation) – als bei der klassischen Schwarzweiß-Darstellung.

Zu bedenken ist ergänzend, dass viele EDV-Arbeiter im Tagesverlauf lange auf den Bildschirm stieren und dabei weniger Blinzeln als nötig. Ein weiterer Stressor, denn die Augen trocknen aus, sie sind mitunter überreizt oder übermüdet.

Fast jeder hat vermutlich schon mal in rote Augen durch Überarbeitung geblickt.

Die Erholung der Augen am Arbeitsplatz ermöglichen

Um so wichtiger, dass die visuellen Umgebungsreize nicht nur Ruhe und Entspannung bieten, sondern einen hellen Charakter aufweisen. Sie sind somit als Gegenpol zur bildschirmbedingten Augenbelastung einzuordnen und fördern im Idealfall die Erholung.

Optimierte Hintergründe verringern die Anpassungsanstrengung des Sehapparates, wenn der optische Fokus zwischen Umgebung und Monitor wechselt.

Natürlich ist ein heller Charakter auch mit wenig gesättigten Farben zu erreichen, sodass bei der Arbeitsplatzgestaltung durchaus auf individuelle Vorlieben abseits eines sterilen Weißtons eingegangen werden kann.

Ein helles Farbschema am Arbeitsplatz als Ziel

Fazit: Die Qualität der Arbeit, das Wohlbefinden und die Motivationen hängen auch von äußeren – sogenannten weichen – Faktoren ab. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Art, wie die Arbeitsumgebung farblich gestaltet wird. Dazu liegen einige Hinweise und Empfehlungen vor, somit kann man sowohl im Heimbüro als auch am betrieblichen Arbeitsplatz mit überschaubaren Aufwand Verbesserungen im Kontext bewirken.