Der Bildschirmarbeitsplatz ist seit langem von zentralem Interesse, wenn es um die ergonomische Verbesserung konkreter Arbeitssituationen geht.

Vergegenwärtigt man sich, wie lange Arbeitnehmer und Selbstständige in entsprechenden Berufen am Rechner an ihrem Arbeitsplatz arbeiten, dann spricht schon die Dauer der Tätigkeit am Monitor für die Notwendigkeit einer möglichst gesunden Arbeitssituation.

So viel Zeit wie bei der professionellen Bildschirmarbeit verbringt man sonst nur im Bett. Daher sollte selbige aus gesundheitlicher Sicht natürlich professionell und human gestaltet werden, um bekannten Büroproblemen wie roten Augen und undifferenzierten Reizungen des Sehapparates frühzeitig zu begegnen.

Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz – ein anspruchsvolles System

Der Arbeitsplatz am Monitor stellt ein komplexes System dar, es muss mehr als der Bildschirm betrachtet werden, wenn es um eine spürbare Verbesserung der betroffenen Individuen geht.

Ärzte weisen in zahlreichen Forschungsstudien auf das Zusammenspiel von Bildschirm, Tastatur, Stuhl, weiteren Eingabegeräten, dem Schreibtisch, der Größe der Arbeitsfläche, der Geräuschentwicklung im Arbeitsraum, die Versorgung mit Frischluft, dem Blendungsgrad, dem Strahlungsaufkommen am Arbeitsplatz sowie auf Ausdünstungen aus gesundheitlich bedenklichen Kunststoffen hin.

Dazu kommen praktische Aspekte, die Zuge der Arbeitsplatzoptimierung stets behandelt werden sollten

  1. Arbeitsmittel bei der Bildschirmarbeit optimal anordnen
  2. Beleuchtung des Bildschirmarbeitsplatzes
  3. Qualität des Bildschirms/Monitors
  4. Sitzhaltung am Bildschirmarbeitsplatz
  5. Sehabstand und Blickwinkel zum Bildschirm
  6. Der Kontext der Monitorarbeit (Lärm, Geruch, Frischluft)
  7. Schwierigkeit der gestellten Arbeitsinhalte
  8. Dauer der Bildschirmtätigkeit
  9. Der Mensch mit seinem physischen und psychischen Zustand

Kein Wunder, dass dieses Setting mittlerweile als eines der Ungesundesten in Verruf geraten ist.

Typische Erkrankungen bei EDV-Arbeitsstellen

Aus den obigen Informationen ergibt sich, dass ungünstige Bedingungen an multimedialen Arbeitsplätzen viele unterschiedliche Risiken nach sich ziehen. Ein Kurzüberblick potentieller Probleme

  • Allgemeine Reizungen der Augen
  • Carpal-Tunnel-Syndrom
  • Sehnen- und Sehnenscheiden-Entzündungen
  • Muskelschmerzen in Hand, Handgelenk, Arm oder Nacken
  • Kopfschmerzen und Konzentrationsdefizite
  • Übelkeit
  • Burn-out-Syndrom
  • Schwere Schädigungen am Sehapparat

All die Listenpunkte zählen zu den typischen Bürokrankheiten, die hier mit weiteren Beispielen vertieft werden.

Dabei hat sich herausgestellt, dass eine Risikogruppe existiert, welche eher auf ungünstige Bildschirmbedingungen reagiert: Zu nennen sind Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck oder Stressleiden. Dazu treten Menschen mit Arthritis oder anderen Entzündungskrankheiten, Raucher sowie Schwangere.

Wie lässt sich die Tätigkeit am Bildschirm verbessern?

Konkret lässt sich eine Optimierung des EDV-Bereiches auf vielen Wegen angehen. Die einzelnen Aspekte eines gebrauchstauglichen und am Mitarbeiter orientierten Monitorarbeitsplatzes werden im Folgenden mit praktischen Hinweisen diskutiert.

Arbeitsmittel bei der Bildschirmarbeit optimal anordnen

Es klingt so einfach, doch die Realität sieht nicht selten anders aus. Der Schreibtisch muss nicht nur Platz für den Bildschirm/Monitor bieten, sondern groß genug sein, damit Telefon, Notizen und Tatstatur genug Raum haben. Sie sollten bei geradem Blick auf den Bildschirm problemlos in Griffweite liegen.

Und zwar so, dass sie schnell nutzbar sind und vom Abstand individuell auf den Arbeitnehmer/Selbstständigen abgestimmt sind. Wohlfühlen und Arbeiten gehen hier Hand in Hand.

Der optimale Greif- und Bewegungsraum liegt bei ca. 30 Zentimetern und orientiert sich beim PC-Arbeitsplatz an der Vorderkante des Tisches. Professionelles Arbeiten ist in diesem Falle auch eine Frage der Ergonomie des Schreibtisches.

Beleuchtung des Bildschirmarbeitsplatzes

Die Lichtverhältnisse spielen eine ganz entscheidende Rolle bei der Leistungsfähigkeit am Bildschirmarbeitsplatz, darauf verweisen Experten aus dem Bereich Arbeitsplatzergonomie immer wieder. Zu hohe Beleuchtungsstärke erschwert das normale Sehen, die visuellen Wahrnehmung leidet.

Ist es hingegen zu dunkel, nimmt die Sehschärfe ab. Die optimale Beleuchtung ist das Tageslicht, wobei der Bildschirm bei direktem Lichteinfall seitlich zum Fenster stehen sollte, es können sonst störende Reflexionen auftreten.

In vielen Büros eine künstliche Beleuchtung nötig und normal. Dabei ist darauf zu achten, dass das Licht gleichmäßig verteilt wird, dabei nicht blendet und doch genügend Beleuchtungsstärke aufweist, um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen.

Im Artikel die ergonomisch richtige Arbeitsplatz- und Bürobeleuchtung wird die Lichtthematik noch ausführlicher beschrieben.

Was ist die optimale Beleuchtungsstärke?

Der Bereich der idealen Beleuchtungsstärke liegt zwischen 400 und 600 Lux. Falls das Tageslicht nicht reicht, sind Prismen- und Rasterleuchten ideal, um gleichmäßiges Licht zu spenden. Buntes und grelles künstliches Licht stören ebenfalls mehr als sie nutzen.

Unterschiedliche „Sehaufgaben“ stellen divergierende Anforderungen an die Beleuchtung: Papiervorlagen auf dem Arbeitstisch benötigen ein recht hohes Beleuchtungsniveau, weil das Medium nicht selbst leuchtet. Für das Lesen am Bildschirm kann dies zu viel sein, weil der benötigte Kontrast fehlt.

Weitere Informationen bietet der Beitrag zum Thema Arbeitsplatzbeleuchtung.

Qualität und Größe des Displays

Teil des professionellen Bürosettings ist natürlich ein leistungsstarker Bildschirm. Der Monitor muss gute Kontrastwerte leisten und sich individuell optimieren lassen: Viele Einstellungen für Helligkeit & Kontrast sollten über das Bildschirmmenü modifizierbar sein, ein Flimmern gilt als Ausschlusskriterium.

Die vordefinierten Bildschirmeinstellungen können, müssen aber nicht die besten für die Arbeit sein, denn sie sind von den gegebenen Lichtverhältnissen und der individuellen Präferenz abhängig. Ein komplett schwarzer Hintergrund ist ebenfalls ein potenzieller Stressor.

Nahezu alle neuen Monitore auf dem Markt erfüllen die Stahlenschutz-Richtlinien MPR und TCO. TFT-Displays gelten zudem als völlig strahlungsfrei. Dennoch können Probleme entstehen, denn mitunter fehlt den angeschafften Bildschirmen ein vertikal und horizontal beweglicher Monitorfuß.

Dieser ist aber wichtig, damit die Bildfläche so justiert werden kann, dass sie in einem idealen Abstand von etwa 50 bis 60 Zentimeter direkt auf den Benutzer gerichtet ist. Vorteil: Unnötige seitliche Reflexionen verschwinden.

Zudem darf die Betrachtungsfläche nicht zu klein ausfallen, alle Zeichen sollten bei normaler Sehstärke gut und leicht lesbar sein. Daher werden für textorientierte Arbeiten vermehrt 17-Zöller eingesetzt. 14- und 15-Zoll-Geräte verlieren verstärkt an Relevanz.

Sehabstand und Blickwinkel zum Bildschirm

Der bevorzugte Sehabstand zum Bildschirm ist individuell unterschiedlich.Etwas über 50 Zentimeter ist ein guter Richtwert. Wichtig ist es, die Augen auch mal zu entspannen und auf Warnsignale wie Reizungen zu achten.

Eine zu dichte Haltung am Arbeitsplatz-Bildschirm sollte wegen drohender Überforderung vermieden werden. Idealerweise ist der Kopf leicht geneigt und der Blick tendiert ebenfalls leicht nach unten. Gute Werte liegen im Schnitt bei 25 Grad bis 35 Grad Neigung.

Sitzhaltung am Monitor

Bei der Arbeit am Bildschirm sitzt man idealerweise aufrecht, die Arme können im 90-Grad-Winkel auf dem Tisch entspannt aufliegen. Dies wird mit Arbeitstischen möglich, die sich in der Höhe verstellen lassen, sodass sie für jedermann geeignet sind.

Rücken und Schultern sollten nicht gekrümmt sein, das verursacht Verspannungen. Eine aufrechte, aber auch bewegliche Sitzhaltung gilt als ideal. Aber auch sie sollte immer mal wieder durch kurzes Aufstehen aufgelockert werden.

Zu einem ergonomischen Bildschirmarbeitsplatz gehört daher ein ergonomischer Bürostuhl, der den Rücken stützt, anpassbar ist und gleichsam die nötige Stabilität bietet.

Alternativen wie Arbeiten im Stehen sind sicherlich ebenfalls zu diskutieren.

Luftfeuchtigkeit als Kontextfaktor des Arbeitsplatzes

Ein Bildschirmarbeitsplatz existiert nicht im Nirvana. Zu hohe Temperaturen, extrem hohe oder niedrige Luftfeuchtigkeit und auch Lärm sind zu vermeiden, weil sie in den Arbeitsprozess eindringen und selbst einen optimierten PC-Arbeitsplatz negativ beeinflussen.

Zu trockene Raumluft (z.B.in den Wintermonaten) erhöht die Anfälligkeit für Infektions- und Atemwegserkrankungen und führt zu Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, Lufbefeuchter können hier Abhilfe schaffen.

Hingegen bieten sich Luftentfeuchter an, wenn die Luft am Bildschirmarbeitsplatz häufig zu nass und schwül ist und die darin arbeitenden Menschen darunter leiden.

Vor dem Erwerb sollte allerdings geprüft werden, ob die Luftprobleme nicht mit besserem und vor allem regelmäßigen Lüften zu beheben sind.

Verhalten des Büroarbeiters

Abschließend spielt auch das menschliche Arbeitsverhalten eine Rolle: Der Nutzer am Bildschirm sollte auf genügend Pausen, Ernährung und Bewegung achten, um Kraft zu tanken.

Ergonomie umschließt auch das eigene Verhalten: Pausen einhalten, nicht ständig Überstunden schieben und kleine Wege durchaus zu Fuß zurücklegen – all dies sind kleine Teilbereiche, die im EDV Bereich eine enorme Bedeutung haben.

Video: Hilfen und Tipps zur Bildschirmarbeit

Investitionen in einen besseren Bildschirmarbeitsplatz lohnen sich

Fazit: Ein ergonomischer Bildschirmarbeitslatz ist eine Investition in den Job, die Leistung, den Betrieb und in die beteiligten Menschen. Der Begriff stellt ein mehrdimensionales Konstrukt dar, die Optimierung des Bildschirmarbeitsplatzes kann daher auf verschiedenen Ebenen angegangen werden. Da neben der Gesundheit auch Motivation und Effektivität profitieren, ist eine ergonomische Ausgestaltung als Win-Win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu beschreiben.